01
Echte Farben
Ich hab mir oft den Mund zugehalten,
weil Ruhe besser klang als Streit.
Hab Sätze glatt an Ecken gelegt
und mich dabei selbst übersehn.
Hab gedacht, Liebe heißt leiser sein,
nicht alles zeigen, nicht zu viel.
Hab mich gebogen, nur ein Stück –
bis ich mich kaum noch spür.
Und irgendwo zwischen „passt schon so“
und „bleib doch hier“
hab ich gemerkt:
Ich werd grau,
wenn ich mich zensier.
Echte Farben sind die, die wirken.
Nicht die, die jedem gefallen.
Echte Farben brennen nicht laut,
aber sie leuchten, wenn sie fallen.
Echte Farben kommen von innen,
gehen eins zu eins nach vorn.
Wenn innen gleich außen ist,
wird aus Alltag plötzlich Leben.
Ich hab gelernt, mich zu erklären,
damit mich bloß keiner verliert.
Hab Nähe mit Beweisen gebaut
und mich dabei selbst verziert.
Hab Sicherheit verteilt wie Brot,
hab gesagt: „Ich halt das schon.“
Doch irgendwann war klar:
Ich leb nicht,
ich funktionier.
Denn Wahrheit lässt sich nicht falten
wie Papier im Jackett.
Was echt ist, will raus –
egal,
wer’s nicht checkt.
Echte Farben sind die, die wirken.
Nicht geschniegelt, nicht perfekt.
Echte Farben haben Tiefe,
auch wenn man sie nicht sofort
entdeckt.
Echte Farben sind kein Konzept,
kein Kompromiss, kein Plan.
Wenn ich mich ganz hinstell, wie ich bin,
fangen sie an zu atmen und ich kann.
Ich muss niemandem gefallen,
um hier zu sein.
Ich muss nichts halten,
um echt zu bleiben.
Wenn ich nichts zurückhalt,
bleibt alles da.
Und was dann geht,
war nie meins, kein Ja.
Echte Farben sind die, die wirken.
Still, aber klar im Raum.
Wenn innen gleich außen ist,
fühlt sich alles plötzlich nach mir an.
Echte Farben brauchen Mut,
aber keinen Kampf.
Sie stehen einfach da
und sagen:
Das bin ich.
Das bin ich!
Und wenn’s für manche zu viel ist –
für mich ist es endlich wahr.
02
Verbindung
Ich kam mit offenem Blick, leeren Händen,
glaubte, Nähe steht wie ein Fels.
Ich wollte bleiben, ohne mich zu wenden,
doch etwas zog mich weg von mir selbst.
Du sprachst von richtig, ich von wahr,
wir standen nah – und doch nicht hier.
Ich spürte längst, was nicht mehr klar war,
blieb still, um dich noch einmal zu spürn.
Manchmal heißt Lieben: noch nicht gehn,
obwohl man weiß, man kann nicht stehn.
Verbindung ist kein stiller Kompromiss,
kein Halten, wenn man sich verliert.
Sie lebt nur dort, wo man ganz ist,
wo nichts im Innern amputiert.
Und wenn ich geh, dann nicht aus Stolz,
nicht weil mein Herz zu wenig will.
Ich geh, damit bewahrt sich noch
das, was in mir ganz leise still.
Ich sah die Tiefe unter deiner Haut,
doch du hast weggeschaut vor dir.
Ich hätte bleiben können, laut,
doch leise wär ich nicht mehr hier.
Der Kopf erklärte mir den Grund,
das Herz verstand ihn viel zu gut.
Man rettet sich – oft ungesund,
und nennt es dann noch Mut.
Ich hielt dich fest,
ließ mich dabei los,
damit ich mir nicht fremd mehr werd.
Verbindung ist kein stilles Bleiben,
das sich am Ende selbst verrät.
Sie fragt nicht, ob wir richtig handeln,
nur ob man sich im Ganzen trägt.
Und wenn ich geh, dann tut es weh,
weil ich dich wirklich sehen kann.
Doch schlimmer wär, ich blieb bei dir
und käm bei mir nie wieder an.
Vielleicht ist Würde manchmal Gehn,
nicht aus Kälte, eher Licht.
Vielleicht ist Nähe ohne Sehn
der Wahrheit nur ein leeres Gewicht.
Ich sehne mich nach deinem Kern,
nicht nach der Rolle, die du spielst.
Und wenn du dir selber fern wirst,
bin ich es, der das fühlt.
Verbindung ist ein leiser Mut,
der nichts verspricht und vieles hält.
Sie scheitert oft – und bleibt doch gut,
weil sie das Wahre nicht verstellt.
Und wenn wir uns heut verlieren,
dann nicht, weil Liebe uns verließ.
Sondern weil sie größer war
als das, was wir uns zugestehn ließen.
Vielleicht finden wir uns wieder,
wenn nichts mehr zwischen uns steht.
Nicht weil wir mussten –
sondern weil es dann von selber geht.
03
Du bist nicht zu viel
Du hörst alles gleichzeitig,
jede Bewegung und jeden Ton.
Dein Kopf ist kein Ort der abgestellt,
eher ein offener Horizont.
Du fühlst, bevor du denkst,
und denkst, bevor du ruhst.
Zu viel war nie dein Fehler –
nur keiner wusste, wie man dich hält.
Sie sagen: „Werd leiser, sortiere dich.“
Doch du warst nie laut, nur weit.
Und niemand hat dir gezeigt,
wie man Weite bewohnbar macht
im Licht.
Du bist nicht zu viel.
Du warst zu lange ohne Form
für das, was du trägst.
Nicht zu schnell, nicht zu frei,
nur ohne Rand, der dich hält.
Du bist nicht kaputt.
Du hast nur getragen,
was kein Raum tragen kann.
Und jetzt lernst du zu stehen,
ohne kleiner zu sein irgendwann
Dein Denken springt in Funken,
nicht weil es flieht,
sondern weil es sucht.
Du siehst Verbindungen,
wo andere Linien zieh’n.
Und wenn du fällst,
dann nicht aus Schwäche,
sondern weil du gleichzeitig hältst.
Sie nennen es Chaos,
doch es war immer ein Feld.
Und du hast geglaubt,
du müsstest dich verlieren,
damit es passt und hält.
Du bist nicht zu viel.
Du warst nur zu lange ohne Form
für das, was du trägst.
Nicht zu tief, nicht zu wild,
nur ohne Boden, der bleibt.
Du bist nicht falsch.
Du hast nur geliebt,
ohne Schutz, ohne Maß.
Jetzt lernst du zu atmen
in dem, was du bist.
Form ist kein Käfig.
Grenze ist kein Nein.
Manchmal ist ein Rand
nur der Ort,
an dem du endlich ruhen
und kannst.
Du musst dich nicht verlieren,
um verbunden zu sein.
Du darfst bleiben
und trotzdem ganz.
Du bist nicht zu viel.
Du warst nur lange ohne Form
für das, was du trägst.
Jetzt wächst ein Raum,
der dich nicht begrenzt.
Du bist nicht zu viel.
Du bist genau genug,
wenn du dich nicht mehr
verlässt.
Nicht weniger ich,
Nur endlich bewohnbar,
Du
04
Deine Zeit
Sie zählen Tage, schneiden Stunden klein,
legen Wege fest und nennen das „gemein“.
Uhren sprechen laut, sie sagen, wann man geht,
wann man richtig ist und wann man weiterdreht.
Alles hat sein Maß, sein Fach, sein Gewicht,
Zeit läuft voran, sie wartet nicht.
Und wer den Takt nicht hält, fällt leise raus,
steht still im Lärm der Ordnung, unsichtbar im Haus.
Doch meine Zeit kommt nicht mit Zahlen her,
sie fragt nicht nach dem Morgen oder mehr.
Meine Zeit ist da, wenn etwas in mir will,
wenn alles still wird – und zugleich ganz still.
Ich bin nicht spät, ich bin nur hier,
meine Zeit beginnt, wenn ich sie spür.
Ich hab gelernt, mich klein zu machen im Gehen,
nicht zu stören, nicht aufzufallen, nicht zu fehlen.
Hab gewartet, bis man mir sagt, jetzt bist du dran,
doch mein Innen kam dort nie richtig an.
Denn wenn Zeit nur Pflicht und Ordnung kennt,
verblasst, was in mir wirklich brennt.
Ich wurde leise, nicht aus Trotz,
sondern weil mein Raum sonst bricht und klotzt.
Denn meine Zeit kommt nicht mit Zahlen her,
sie fragt nicht nach dem Morgen oder mehr.
Meine Zeit ist da, wenn etwas in mir will,
wenn alles still wird – und zugleich ganz still.
Ich bin nicht spät, ich bin nur hier,
meine Zeit beginnt, wenn ich sie spür.
Zeit ist kein Fluss, der mich mitzieht,
sie ist ein Feld, das auf mich sieht.
Sie wächst, wenn Sinn mir Nähe gibt,
und stirbt, wenn man mich nur verschiebt.
Ich brauche keinen Druck, kein Ziel,
nur einen Grund, der wirklich fühlt.
Meine Zeit kommt, wenn ich will,
wenn ein leiser Impuls sagt: jetzt – ganz still.
Nicht geplant, nicht festgezurrt,
sondern dort, wo Leben ruft.
Ich bin nicht falsch, ich bin nur echt,
meine Zeit ist das, was mich bewegt.
Vielleicht wartest du schon lang darauf,
dass Zeit sich anfühlt wie ein Atemzug.
Dann bleib kurz stehen, hör in dich rein –
vielleicht will deine Zeit jetzt sein.
05
GEH LANGSAMER
Ich geh ruhig durch den Raum
So sieht es jedenfalls aus
Doch innen rennt noch alles
Wie ein Zug ohne Halt nach Haus
Die Treppe nehm ich leise
Doch zwei Stufen zu schnell
Meine Hand greift nach dem Glas
Als wär die Zeit zu hell
Ich bin nicht laut
Ich bin nicht wild
Ich bin nur innen
nie ganz still
Geh langsamer
nicht mit den Beinen
Geh langsamer
mit dem, was treibt
Lass den Druck
nicht mehr entscheiden
Wer du bist
und wie du bleibst
Geh langsamer
bis du dich spürst
Nicht draußen
sondern hier
Ich räum die Dinge richtig
Doch ein bisschen zu hastig ein
Ich bin schon beim Nächsten
Noch bevor ich da bin
Es fühlt sich an wie Eile
Ohne Ziel, ohne Grund
Und je mehr ich mich beeile
Desto weniger werd ich gesund
Ich bin nicht falsch
Ich bin nicht krank
Ich bin nur oft
zu sehr im Gang
Geh langsamer
nicht mit den Schritten
Geh langsamer
im inneren Lauf
Komm zurück
aus all den Mitten
Und hör dir selber
wieder zu
Geh langsamer
nicht um zu fliehn
Sondern um
bei dir zu sein
Vielleicht braucht es Orte
Wo niemand zieht
Wo nichts erwartet
Und nichts geschieht
Ein Weg
Der nichts von mir will
Außer
dass ich still werd
Geh langsamer
nicht für die Welt
Geh langsamer
damit du hältst
Was sonst im Rennen
untergeht
Wenn alles drängt
und weitergeht
Geh langsamer
bis du weißt
Du bist nicht zu spät
Du bist nur zu schnell
Ich bleib kurz stehen
Nicht außen
nur hier
Und plötzlich
geht alles
mit mir
06
Boden
Ich sitze
Meine Hände sind schwer
Sie liegen auf den Knien
Ich spüre das Gewicht
Es zieht mich nach unten
Ganz ruhig
ich bin hier
Jetzt
Der Boden hält
Sicher
Hier
Jetzt
Der Boden ist fest
Er trägt meine Füße
Er trägt meinen Rücken
Ich lasse locker
Das Gewicht ist gut
Ich sinke tief
Kein Plan
Keine Eile
Die Füße stehen fest
Das ist Gewicht ist da
Es hält mich unten
Ich bleibe hier
Ich bin hier
Jetzt
Der Boden hält
Es ist sicher
Hier
Jetzt
Halt
Einfach nur Halt
Der Raum ist still
Die Sicherheit ist schwer
Der Boden ist da
Er bleibt unter mir
Hier
Hier
Jetzt
Schwer
Sicher
Hier
Jetzt
07
Statisches Feld
Strophe 1
Alles ist da.
Zur gleichen Zeit.
Zu viel, um es festzuhalten.
Zu wenig, um zu fliehen.
Ich höre keine Richtung.
Ich höre Dichte.
Wenn alles gleichzeitig spricht,
wird Stille hörbar.
Ich falle nicht.
Ich breite mich aus.
Ich verliere nichts.
Ich werde Fläche.
Gedanken zerfallen
in Körner aus Zeit.
Kein Anfang.
Kein Danach.
Nur Schwingung
ohne Entscheidung.
Nicht verstehen.
Nicht ordnen.
Bleiben.
Ich bin kein Punkt.
Ich bin das Feld.
Kein Signal.
Nur Rauschen mit Gewicht.
Bleiben…
bleiben…
kein Rand…
kein Rand…
kein Rand…
08
STURZ
Es war ein guter Abend
Nichts zu viel, nichts zu schwer
Kein Kämpfen um Verständnis
Es war einfach fair
Die Worte waren weich
Die Zeit war aufgemacht
Ein bisschen weniger Rüstung
Ein bisschen weniger Nacht
Ich hab die Maske hingelegt
Nur einen Schritt, nicht mehr
Ich war kurz nur Mensch
Und gar nicht auf der Wehr
Und dann kamst du
Mit allem, was dich bricht
Deine Wut, dein Druck, dein Gestern
traf genau mein Gesicht
Ich hör’s noch nicht knallen
Es ist still in mir drin
Und ich weiß, gleich fall ich
Ich weiß nur noch nicht wohin
Ich frier ein im Alten
Bleib stehen, starre leer
Mein Körper weiß Bescheid
Doch mein Kopf kann nicht mehr
Ich hab gelernt zu fühlen
Nicht wegzugehen, nicht hart
Jetzt kommt alles zurück
Was ich zugelassen hab
Es trifft mich nicht sofort
Es zieht erst langsam ein
Wie Feuer unter Haut
Wie Glas in meinem Sein
Und dann stotter ich
In Zittern, in Tränen, in Zeit
Ich stotter ins Herz
Und in die Schneide von Leid
Die Worte brennen Knochen
Ich fühl sie wieder ganz
Nur weil mein Fleisch noch weiß
Wie sich Verbrennen tanzt
Ich weiß, was richtig war
Ich weiß, was falsch
Ich seh sogar deinen Punkt
Und trotzdem fällt mein Halt
Vielleicht hast du recht
Vielleicht war’s nur menschlich von dir
Aber mein Körper
zerbricht trotzdem hier
Und ich stürz
Nicht laut, nicht dramatisch, nicht schnell
Ich stürz einfach runter
Bis auf den Boden der Welt
Da lieg ich mit Gerechtigkeit
Und Schmerz nebeneinander
Und beides ist wahr
Und nichts macht es leichter
Outro
Es tut verdammt weh
Und ich steh nicht gleich auf
Ich bleib kurz hier unten
Bis mein Herz wieder taugt
09
Hold the Line
Step, step, step – reden
Step
Keep the Count
There in the Love
Fix the Gate
Hold the line
Hold the line
Hold the line
Afraid to be Strong
Move Through the balck
One single Point
Will stay in the Loop
Hold the Line
Hold the Line
Hold the Line
Fix the Gate
10
Druckzustand
Ich halte nichts mehr.
Es hält mich.
Zu viele Impulse.
Keiner wichtig.
Alles gleichzeitig.
Alles gleich.
Ich bin kein Ich.
Ich bin Last.
Kein Gedanke.
Nur Druck.
Zeit zerbricht
ohne Geräusch.
Ich gehe nicht.
Ich breite mich aus.
Kein Halt.
Kein Fall.
Nur Spannung.
Ich bin kein Punkt.
Ich bin Feld.
Kein Signal.
Nur Strom.
Bleiben.
Bleiben.
Bleiben.
11
Neural Stability
Wait on Air
Storm on storm
The water rises
Stay still
Pull in time
Pull in time
Pull in time
As on the first
And now i see
Way for the brave
But tide it turns
Pull in time
Pull in time
Pull in time
yeah
12
RAUS
Genug.
Ich halte mich
seit Jahren zurück
für euch
für Ruhe
für Ordnung
für nichts
Alles gestaut.
Alles zu viel.
RAUS
LASST
ES
RAUS
RAUS
JETZT
OHNE
FILTER
Ich bin nicht falsch
ich bin zu voll
zu schnell
zu wach
zu lange still
Ich explodiere
oder ich ersticke.
RAUS
RAUS
RAUS
KEIN
KOMPROMISS
KEIN
HALT
RAUS
RAUS
RAUS
ICH
LEBE
NOCH
13
Jetzt ist gut
Ich hab laut gedacht
und leise geweint,
hab mich verloren
und neu gemeint.
Hab alles gesagt,
was raus wollte heut,
jetzt ist es still
und fühlt sich gut an heut.
Jetzt ist gut,
ich muss nichts mehr.
Bin müde,
aber nicht mehr schwer.
Mein Kopf ist leer,
mein Herz ist voll,
so wie es ist,
ist es genau richtig so.
Die Welt ist noch da,
sie zieht nicht mehr,
kein Druck im Bauch,
kein inneres Mehr.
Ich sitz einfach hier,
atme ein, atme aus,
nichts ruft nach mir,
ich bin grad zuhaus.
Jetzt ist gut,
kein Müssen, kein Soll.
Alles gesagt,
alles voll.
Ich fall nicht weg,
ich komm zur Ruh,
und bleib ein bisschen
einfach nur ich und du.
Vielleicht kommt morgen
wieder Sturm,
vielleicht auch nicht.
Heute reicht
dieses kleine Licht.
Jetzt ist gut,
ich darf so sein.
Nicht laut,
nicht stark –
einfach mein.
Wenn nichts mehr zieht
und nichts mehr muss,
dann fühl ich mich
zum ersten Mal bewusst.
Jetzt ist gut.
14
Du darfst jetzt schlafen
Der Tag ist leise,
der Himmel auch,
die Welt macht Pause,
genau wie du auch.
Die Augen werden
schon ein bisschen schwer,
und alles Gute
ist längst bei dir hier.
Du darfst jetzt schlafen,
ganz ohne Grund,
nichts wird verpasst
in dieser Stund.
Ich bin hier,
und bleib bei dir,
du bist sicher,
jetzt und hier.
Die Gedanken dürfen
einfach gehn,
sie müssen heute
nichts mehr verstehn.
Was nicht fertig ist,
wartet ganz still,
bis morgen früh,
wenn es wieder will.
Du darfst jetzt schlafen,
lass alles los,
die Nacht ist weich
und macht dich groß.
Ich bin hier,
du bist nicht allein,
du darfst jetzt
ganz geborgen sein.
Atme ein…
atme aus…
alles findet
nach Hause raus.
Du darfst jetzt schlafen,
es ist genug,
du warst heute
mehr als gut.
Die Welt passt auf dich auf die Nacht,
bis du morgen
wieder aufwachst.
Schlaf gut.
Ich bin da.
15
Deine Freude war gut
Du warst laut,
als du gelacht hast,
du warst hell,
als du dich gefreut hast.
Sie sagten: zu viel,
sie sagten: bleib stehn,
doch dein Herz
wollte einfach nur gehn.
Deine Freude war gut.
Sie war richtig.
Sie war wahr.
Du musstest dich nie
kleiner machen,
so wie du warst,
warst du klar.
Du hast gestaunt
mit offenen Augen,
hast alles gespürt,
ohne zu glauben,
dass man Gefühle
leiser dreht.
Du hast geliebt,
wie man liebt,
wenn man lebt.
Deine Freude war gut.
Sie war kein Fehler.
Kein Zuviel.
Sie war dein Licht,
dein inneres Ja,
dein echtes Gefühl.
Wenn sie dich gebremst haben,
war es aus Angst.
Nicht vor dir –
vor dem Glanz.
Denn wer so fühlt,
zeigt der Welt,
wie frei man sein kann,
wenn man fällt und wieder hält.
Deine Freude war gut.
Du darfst ihr jetzt traun.
Du darfst wieder lachen,
wieder staunen,
wieder ganz du sein.
Sag Ja - Dein Herz weiß es schon.
16
Vergessen
Der Zettel liegt noch
unter der Kaffeemaschine,
deine Schrift ist schief,
mein Name nicht ganz richtig.
Ich seh ihn heute
viel zu spät
und weiß sofort,
warum du leiser gehst.
Du sagst nichts,
atmest schwerer ein.
Ich merk:
Hier sollte ich gewesen sein.
Ich such in mir
wie in Jackentaschen von gestern,
da ist Wärme,
da ist Nähe,
aber nichts,
was erklärt,
warum du mir
nicht mehr entgegengehst.
Du sagst:
„Du hast es wieder vergessen.“
Nicht hart,
nicht laut,
nur müde gesagt,
als wär’s ein Satz,
der schon zu lange
zwischen uns fällt.
Ich sag:
„Scheiße…“
und mein nicht den Tag,
nicht die Uhr,
nicht den Plan.
Ich mein das Ganze,
so gut ich’s kann.
Du hast dir den Tag gemerkt,
die Stunde,
den Weg bis hier.
Ich hab mir nur gemerkt,
wie nah du warst,
ganz bei mir.
Du hast gewartet,
ich war beschäftigt.
Nicht mit wem –
mit irgendwas.
Und jetzt steht das
zwischen uns,
schwerer als es sollte.
Ich sitz dir gegenüber,
alles in mir ist da,
nur zu spät.
Wie ein Zug,
der einfährt,
wenn keiner mehr steht.
Dein Blick ist nicht laut,
schreit nicht nach Recht.
Er ist nur müde,
und das trifft mich
tief und echt.
Du sagst:
„Wenn du es wollen würdest…“
und lässt den Satz offen stehn.
Ich hör ihn trotzdem zu Ende,
weil ich’s wollte –
und es jetzt erst seh.
Ich will dir sagen,
ich hab dich nicht verloren.
Aber ich hab dich
wieder warten lassen
bis morgen.
Ich seh,
wie du dich zurücknimmst,
nicht aus Trotz,
eher aus Schutz,
damit du dich nicht verlierst,
wenn ich mich
wieder vergessen muss.
Ich entschuldige mich
zu oft,
zu gleich,
zu spät.
Und jedes Mal
klingt es weniger
nach mir.
Du gehst nicht.
Doch du bleibst
auch nicht ganz hier.
Und genau das
zerbricht etwas
in mir.
Später lieg ich wach,
die Nacht zieht vorbei.
Plötzlich ist alles klar.
Ich erinner mich an alles,
zu scharf,
zu genau,
als wär das Licht angegangen –
nur nicht zur richtigen Zeit,
sondern jetzt.
Und ich weiß:
Morgen lieb ich dich
ohne Lücke,
ohne List.
Vielleicht vergesse ich nur
wieder den Moment,
der dafür wichtig ist.
17
Ungefiltert Mensch
Ich steh auf - viel im Kopf,
Gedanken renne , keiner hält sie auf.
Alles gleichzeitig, laut und weit,
Ich spür genau: Jetzt ist Zeit.
Ich fall hin, leise, nicht elegant,
lern den Boden mit dem Herzen kennen.
Und jeder Kratzer sagt: Du lebst noch hier,
bist mehr als das, was man von dir verlangt.
Ich hab versucht, mich passend zu machen,
hab mich sortiert, hab mich gebremst.
Und jedes Mal, wenn ich stiller wurde,
hab ich mich selbst ein Stück verlernt.
Ich will ungefiltert sein,
sagen, was brennt,
Und fühlen, was schreit.
Ich will fallen und wieder stehen,
nicht perfekt – echt dabei.
Ich will Nähe, ich will Herz,
will die Freude mit dem Schmerz.
Ich will leben, ich will bleiben,
ungefiltert Mensch in mir schreiben.
Mein Tempo passt nicht in eure Zeit,
mein Weg ist krumm, doch er ist weit.
Ich seh Details, die keiner sieht,
hör Zwischentöne im Lärm des Betriebs.
Manchmal verlier ich mich im Zuviel,
doch genau da liegt mein Gefühl.
Ich bin kein Fehler im System,
ich bin Bewegung, wenn nichts mehr geht.
Ich trag mein Chaos nicht als Last,
es ist der Funke, der mich fasst.
Ich lern gerade, ihm zu trauen,
statt mich dafür klein zu bauen.
Ich will ungefiltert sein,
nicht im Design, nicht angepasst.
Ich will frei sein in meinem Sein,
auch wenn es überläuft und kracht.
Ich will Verbindung - will Frieden,
will Nähe, die mich nicht verbiegt.
Ich will Erfüllung, nicht nur Ziele,
ich will bleiben, wie ich bin.
Wenn alles zu viel wird, halt ich kurz an,
leg die Hand auf mein Herz und hör wieder hin.
Da ist kein Defekt, nur Leben drin,
ein Puls, der sagt: Du darfst hier sein.
Ich will ungefiltert sein,
ungeplant, ehrlich, offen, frei.
Ich will lieben ohne Netz,
will mich zeigen – nicht versteckt.
Ich will lachen, ich will weinen,
will im Sturm bei mir bleiben.
Ich will leben, ich will bleiben,
Ungefiltert Mensch.
Ungefiltert sein.
Kein Rückzug mehr,
kein halbes Licht.
Ich bleib.
Und das reicht.
18
Unsere Art
Ihr sagt wir wären die, die stehen bleiben,
wenn ein Lächeln nicht bis zu den Augen geht.
Die merken, dass ein „Ja“ nur klingt,
doch niemand wirklich mitgeht.
Wir sehen Hände, die alles halten,
doch nie loslassen, nicht ein Stück.
Und fragen nicht nach dem Plan für morgen,
sondern ob hier jemand wirklich ist.
Und wir wären die, die leiser werden,
wenn ein Raum plötzlich enger klingt.
Die spüren, wie ein Satz noch offen ist,
auch wenn man ihn zu Ende bringt.
Wir merken, wenn ihr weitergeht,
bevor etwas zu Ende war.
Und tragen das, was ihr vergesst,
noch eine Weile – ganz und klar.
Ihr erkennt uns nicht als Art,
sondern als Abweichung von euch selbst.
Ihr lest die Noten, zählt den Takt,
doch hört nicht, wo Klang zerfällt.
Wir sind der Raum, der früher hört –
und brechen dort, wo euer Zählen zerstört.
Und wir wären die, die Fragen stellen,
wo Antworten zu bequem sind.
Die nicht zufrieden weitergehen,
wenn etwas innen anders klingt.
Wir folgen Spuren ohne Namen,
bleiben, wo ihr längst vorbei
gegangen seit.
Und sehen Wege, die noch fehlen,
weil ihr nur lauft, wo schon alles
weiß und bleibt.
Doch wir sind die, die Karten reißen,
wenn der Rand zu früh erreicht scheint.
Die nicht gehorchen, sondern suchen,
bis sich etwas Neues zeigt.
Nicht um schneller anzukommen,
nicht um Recht zu haben im Licht –
sondern weil die Welt größer wird,
wenn man ihr tiefer widerspricht.
Ihr erkennt uns nicht als Art,
sondern als Abweichung von euch selbst.
Ihr lest die Noten, zählt den Takt,
doch hört nicht, wo Klang zerfällt.
Wir sind der Raum, der früher hört –
und brechen dort, wo euer Tritt zerstört.
Vielleicht braucht ihr uns nicht morgen,
vielleicht nicht hier, vielleicht nicht jetzt.
Doch jedes Mal, wenn etwas fehlt,
war es unsere Spur, die ihr verletzt.
Und wenn ihr euch irgendwann fragt,
warum die Welt so klein euch scheint –
wir waren da.
Wir gingen tiefer.
Und ließen euch das Offene…
als ein Weit.
19
Ich bin wie der Fluss
Ich dräng mich nicht nach vorne,
ich bleib auch nicht zurück.
Ich kenn die Kraft der Stille
und das…
langsame Glück.
Ich weiß, wo Steine liegen,
und wann man besser geht.
Nicht alles, was sich richtig anfühlt,
ist schon bereit...
Und steht.
Ich bin wie der Fluss,
ich halte nicht fest.
Ich fließe auch dort,
wo du mich lässt.
Ich kämpfe nicht gegen,
ich zieh nicht vorbei.
Ich bin nicht das Ziel –
bin der Weg dabei.
Ich trag, was kommen will,
und lass, was gehen muss.
Manches klärt sich erst am Ende
In diesem großen Fluss.
Ich heil nicht durch Erklären,
nicht durch Druck und Gewicht.
Ich bleib in meiner Tiefe,
auch wenn du mich nicht siehst.
Ich bin wie der Fluss,
nicht laut, nicht blind.
Ich weiß, dass Geduld
auch Bewegung ist.
Ich rette nicht alles,
ich bleib bei mir.
Wer trinken will,
findet Wasser hier.
Und wenn du glaubst,
du musst mehr sein,
dann geh ein Stück
und hör mir zu.
Ich hab nichts versprochen,
nichts bewiesen,
ich war nur immer
ich – und du.
Ich bin wie der Fluss.
Ich warte nicht.
Ich geh weiter,
auch wenn etwas bricht.
Ich nehme nichts mit Gewalt,
ich bleib, wer ich bin.
Ich bin wie der Fluss.
Und darin liegt…
Sinn.