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ADHS IV – Album Cover

ADHS IV

247.blue

2026 · Kristian Luge · 19 Liedtexte

01

Echte Farben

Ich hab mir oft den Mund zugehalten, weil Ruhe besser klang als Streit. Hab Sätze glatt an Ecken gelegt und mich dabei selbst übersehn. Hab gedacht, Liebe heißt leiser sein, nicht alles zeigen, nicht zu viel. Hab mich gebogen, nur ein Stück – bis ich mich kaum noch spür. Und irgendwo zwischen „passt schon so“ und „bleib doch hier“ hab ich gemerkt: Ich werd grau, wenn ich mich zensier. Echte Farben sind die, die wirken. Nicht die, die jedem gefallen. Echte Farben brennen nicht laut, aber sie leuchten, wenn sie fallen. Echte Farben kommen von innen, gehen eins zu eins nach vorn. Wenn innen gleich außen ist, wird aus Alltag plötzlich Leben. Ich hab gelernt, mich zu erklären, damit mich bloß keiner verliert. Hab Nähe mit Beweisen gebaut und mich dabei selbst verziert. Hab Sicherheit verteilt wie Brot, hab gesagt: „Ich halt das schon.“ Doch irgendwann war klar: Ich leb nicht, ich funktionier. Denn Wahrheit lässt sich nicht falten wie Papier im Jackett. Was echt ist, will raus – egal, wer’s nicht checkt. Echte Farben sind die, die wirken. Nicht geschniegelt, nicht perfekt. Echte Farben haben Tiefe, auch wenn man sie nicht sofort entdeckt. Echte Farben sind kein Konzept, kein Kompromiss, kein Plan. Wenn ich mich ganz hinstell, wie ich bin, fangen sie an zu atmen und ich kann. Ich muss niemandem gefallen, um hier zu sein. Ich muss nichts halten, um echt zu bleiben. Wenn ich nichts zurückhalt, bleibt alles da. Und was dann geht, war nie meins, kein Ja. Echte Farben sind die, die wirken. Still, aber klar im Raum. Wenn innen gleich außen ist, fühlt sich alles plötzlich nach mir an. Echte Farben brauchen Mut, aber keinen Kampf. Sie stehen einfach da und sagen: Das bin ich. Das bin ich! Und wenn’s für manche zu viel ist – für mich ist es endlich wahr.
02

Verbindung

Ich kam mit offenem Blick, leeren Händen, glaubte, Nähe steht wie ein Fels. Ich wollte bleiben, ohne mich zu wenden, doch etwas zog mich weg von mir selbst. Du sprachst von richtig, ich von wahr, wir standen nah – und doch nicht hier. Ich spürte längst, was nicht mehr klar war, blieb still, um dich noch einmal zu spürn. Manchmal heißt Lieben: noch nicht gehn, obwohl man weiß, man kann nicht stehn. Verbindung ist kein stiller Kompromiss, kein Halten, wenn man sich verliert. Sie lebt nur dort, wo man ganz ist, wo nichts im Innern amputiert. Und wenn ich geh, dann nicht aus Stolz, nicht weil mein Herz zu wenig will. Ich geh, damit bewahrt sich noch das, was in mir ganz leise still. Ich sah die Tiefe unter deiner Haut, doch du hast weggeschaut vor dir. Ich hätte bleiben können, laut, doch leise wär ich nicht mehr hier. Der Kopf erklärte mir den Grund, das Herz verstand ihn viel zu gut. Man rettet sich – oft ungesund, und nennt es dann noch Mut. Ich hielt dich fest, ließ mich dabei los, damit ich mir nicht fremd mehr werd. Verbindung ist kein stilles Bleiben, das sich am Ende selbst verrät. Sie fragt nicht, ob wir richtig handeln, nur ob man sich im Ganzen trägt. Und wenn ich geh, dann tut es weh, weil ich dich wirklich sehen kann. Doch schlimmer wär, ich blieb bei dir und käm bei mir nie wieder an. Vielleicht ist Würde manchmal Gehn, nicht aus Kälte, eher Licht. Vielleicht ist Nähe ohne Sehn der Wahrheit nur ein leeres Gewicht. Ich sehne mich nach deinem Kern, nicht nach der Rolle, die du spielst. Und wenn du dir selber fern wirst, bin ich es, der das fühlt. Verbindung ist ein leiser Mut, der nichts verspricht und vieles hält. Sie scheitert oft – und bleibt doch gut, weil sie das Wahre nicht verstellt. Und wenn wir uns heut verlieren, dann nicht, weil Liebe uns verließ. Sondern weil sie größer war als das, was wir uns zugestehn ließen. Vielleicht finden wir uns wieder, wenn nichts mehr zwischen uns steht. Nicht weil wir mussten – sondern weil es dann von selber geht.
03

Du bist nicht zu viel

Du hörst alles gleichzeitig, jede Bewegung und jeden Ton. Dein Kopf ist kein Ort der abgestellt, eher ein offener Horizont. Du fühlst, bevor du denkst, und denkst, bevor du ruhst. Zu viel war nie dein Fehler – nur keiner wusste, wie man dich hält. Sie sagen: „Werd leiser, sortiere dich.“ Doch du warst nie laut, nur weit. Und niemand hat dir gezeigt, wie man Weite bewohnbar macht im Licht. Du bist nicht zu viel. Du warst zu lange ohne Form für das, was du trägst. Nicht zu schnell, nicht zu frei, nur ohne Rand, der dich hält. Du bist nicht kaputt. Du hast nur getragen, was kein Raum tragen kann. Und jetzt lernst du zu stehen, ohne kleiner zu sein irgendwann Dein Denken springt in Funken, nicht weil es flieht, sondern weil es sucht. Du siehst Verbindungen, wo andere Linien zieh’n. Und wenn du fällst, dann nicht aus Schwäche, sondern weil du gleichzeitig hältst. Sie nennen es Chaos, doch es war immer ein Feld. Und du hast geglaubt, du müsstest dich verlieren, damit es passt und hält. Du bist nicht zu viel. Du warst nur zu lange ohne Form für das, was du trägst. Nicht zu tief, nicht zu wild, nur ohne Boden, der bleibt. Du bist nicht falsch. Du hast nur geliebt, ohne Schutz, ohne Maß. Jetzt lernst du zu atmen in dem, was du bist. Form ist kein Käfig. Grenze ist kein Nein. Manchmal ist ein Rand nur der Ort, an dem du endlich ruhen und kannst. Du musst dich nicht verlieren, um verbunden zu sein. Du darfst bleiben und trotzdem ganz. Du bist nicht zu viel. Du warst nur lange ohne Form für das, was du trägst. Jetzt wächst ein Raum, der dich nicht begrenzt. Du bist nicht zu viel. Du bist genau genug, wenn du dich nicht mehr verlässt. Nicht weniger ich, Nur endlich bewohnbar, Du
04

Deine Zeit

Sie zählen Tage, schneiden Stunden klein, legen Wege fest und nennen das „gemein“. Uhren sprechen laut, sie sagen, wann man geht, wann man richtig ist und wann man weiterdreht. Alles hat sein Maß, sein Fach, sein Gewicht, Zeit läuft voran, sie wartet nicht. Und wer den Takt nicht hält, fällt leise raus, steht still im Lärm der Ordnung, unsichtbar im Haus. Doch meine Zeit kommt nicht mit Zahlen her, sie fragt nicht nach dem Morgen oder mehr. Meine Zeit ist da, wenn etwas in mir will, wenn alles still wird – und zugleich ganz still. Ich bin nicht spät, ich bin nur hier, meine Zeit beginnt, wenn ich sie spür. Ich hab gelernt, mich klein zu machen im Gehen, nicht zu stören, nicht aufzufallen, nicht zu fehlen. Hab gewartet, bis man mir sagt, jetzt bist du dran, doch mein Innen kam dort nie richtig an. Denn wenn Zeit nur Pflicht und Ordnung kennt, verblasst, was in mir wirklich brennt. Ich wurde leise, nicht aus Trotz, sondern weil mein Raum sonst bricht und klotzt. Denn meine Zeit kommt nicht mit Zahlen her, sie fragt nicht nach dem Morgen oder mehr. Meine Zeit ist da, wenn etwas in mir will, wenn alles still wird – und zugleich ganz still. Ich bin nicht spät, ich bin nur hier, meine Zeit beginnt, wenn ich sie spür. Zeit ist kein Fluss, der mich mitzieht, sie ist ein Feld, das auf mich sieht. Sie wächst, wenn Sinn mir Nähe gibt, und stirbt, wenn man mich nur verschiebt. Ich brauche keinen Druck, kein Ziel, nur einen Grund, der wirklich fühlt. Meine Zeit kommt, wenn ich will, wenn ein leiser Impuls sagt: jetzt – ganz still. Nicht geplant, nicht festgezurrt, sondern dort, wo Leben ruft. Ich bin nicht falsch, ich bin nur echt, meine Zeit ist das, was mich bewegt. Vielleicht wartest du schon lang darauf, dass Zeit sich anfühlt wie ein Atemzug. Dann bleib kurz stehen, hör in dich rein – vielleicht will deine Zeit jetzt sein.
05

GEH LANGSAMER

Ich geh ruhig durch den Raum So sieht es jedenfalls aus Doch innen rennt noch alles Wie ein Zug ohne Halt nach Haus Die Treppe nehm ich leise Doch zwei Stufen zu schnell Meine Hand greift nach dem Glas Als wär die Zeit zu hell Ich bin nicht laut Ich bin nicht wild Ich bin nur innen nie ganz still Geh langsamer nicht mit den Beinen Geh langsamer mit dem, was treibt Lass den Druck nicht mehr entscheiden Wer du bist und wie du bleibst Geh langsamer bis du dich spürst Nicht draußen sondern hier Ich räum die Dinge richtig Doch ein bisschen zu hastig ein Ich bin schon beim Nächsten Noch bevor ich da bin Es fühlt sich an wie Eile Ohne Ziel, ohne Grund Und je mehr ich mich beeile Desto weniger werd ich gesund Ich bin nicht falsch Ich bin nicht krank Ich bin nur oft zu sehr im Gang Geh langsamer nicht mit den Schritten Geh langsamer im inneren Lauf Komm zurück aus all den Mitten Und hör dir selber wieder zu Geh langsamer nicht um zu fliehn Sondern um bei dir zu sein Vielleicht braucht es Orte Wo niemand zieht Wo nichts erwartet Und nichts geschieht Ein Weg Der nichts von mir will Außer dass ich still werd Geh langsamer nicht für die Welt Geh langsamer damit du hältst Was sonst im Rennen untergeht Wenn alles drängt und weitergeht Geh langsamer bis du weißt Du bist nicht zu spät Du bist nur zu schnell Ich bleib kurz stehen Nicht außen nur hier Und plötzlich geht alles mit mir
06

Boden

Ich sitze Meine Hände sind schwer Sie liegen auf den Knien Ich spüre das Gewicht Es zieht mich nach unten Ganz ruhig ich bin hier Jetzt Der Boden hält Sicher Hier Jetzt Der Boden ist fest Er trägt meine Füße Er trägt meinen Rücken Ich lasse locker Das Gewicht ist gut Ich sinke tief Kein Plan Keine Eile Die Füße stehen fest Das ist Gewicht ist da Es hält mich unten Ich bleibe hier Ich bin hier Jetzt Der Boden hält Es ist sicher Hier Jetzt Halt Einfach nur Halt Der Raum ist still Die Sicherheit ist schwer Der Boden ist da Er bleibt unter mir Hier Hier Jetzt Schwer Sicher Hier Jetzt
07

Statisches Feld

Alles ist da. Zur gleichen Zeit. Zu viel, um es festzuhalten. Zu wenig, um zu fliehen. Ich höre keine Richtung. Ich höre Dichte. Wenn alles gleichzeitig spricht, wird Stille hörbar. Ich falle nicht. Ich breite mich aus. Ich verliere nichts. Ich werde Fläche. Gedanken zerfallen in Körner aus Zeit. Kein Anfang. Kein Danach. Nur Schwingung ohne Entscheidung. Nicht verstehen. Nicht ordnen. Bleiben. Ich bin kein Punkt. Ich bin das Feld. Kein Signal. Nur Rauschen mit Gewicht. Bleiben… bleiben… kein Rand… kein Rand… kein Rand…
08

STURZ

Es war ein guter Abend Nichts zu viel, nichts zu schwer Kein Kämpfen um Verständnis Es war einfach fair Die Worte waren weich Die Zeit war aufgemacht Ein bisschen weniger Rüstung Ein bisschen weniger Nacht Ich hab die Maske hingelegt Nur einen Schritt, nicht mehr Ich war kurz nur Mensch Und gar nicht auf der Wehr Und dann kamst du Mit allem, was dich bricht Deine Wut, dein Druck, dein Gestern traf genau mein Gesicht Ich hör’s noch nicht knallen Es ist still in mir drin Und ich weiß, gleich fall ich Ich weiß nur noch nicht wohin Ich frier ein im Alten Bleib stehen, starre leer Mein Körper weiß Bescheid Doch mein Kopf kann nicht mehr Ich hab gelernt zu fühlen Nicht wegzugehen, nicht hart Jetzt kommt alles zurück Was ich zugelassen hab Es trifft mich nicht sofort Es zieht erst langsam ein Wie Feuer unter Haut Wie Glas in meinem Sein Und dann stotter ich In Zittern, in Tränen, in Zeit Ich stotter ins Herz Und in die Schneide von Leid Die Worte brennen Knochen Ich fühl sie wieder ganz Nur weil mein Fleisch noch weiß Wie sich Verbrennen tanzt Ich weiß, was richtig war Ich weiß, was falsch Ich seh sogar deinen Punkt Und trotzdem fällt mein Halt Vielleicht hast du recht Vielleicht war’s nur menschlich von dir Aber mein Körper zerbricht trotzdem hier Und ich stürz Nicht laut, nicht dramatisch, nicht schnell Ich stürz einfach runter Bis auf den Boden der Welt Da lieg ich mit Gerechtigkeit Und Schmerz nebeneinander Und beides ist wahr Und nichts macht es leichter Es tut verdammt weh Und ich steh nicht gleich auf Ich bleib kurz hier unten Bis mein Herz wieder taugt
09

Hold the Line

Step, step, step – reden Step Keep the Count There in the Love Fix the Gate Hold the line Hold the line Hold the line Afraid to be Strong Move Through the balck One single Point Will stay in the Loop Hold the Line Hold the Line Hold the Line Fix the Gate
10

Druckzustand

Ich halte nichts mehr. Es hält mich. Zu viele Impulse. Keiner wichtig. Alles gleichzeitig. Alles gleich. Ich bin kein Ich. Ich bin Last. Kein Gedanke. Nur Druck. Zeit zerbricht ohne Geräusch. Ich gehe nicht. Ich breite mich aus. Kein Halt. Kein Fall. Nur Spannung. Ich bin kein Punkt. Ich bin Feld. Kein Signal. Nur Strom. Bleiben. Bleiben. Bleiben.
11

Neural Stability

Wait on Air Storm on storm The water rises Stay still Pull in time Pull in time Pull in time As on the first And now i see Way for the brave But tide it turns Pull in time Pull in time Pull in time yeah
12

RAUS

Genug. Ich halte mich seit Jahren zurück für euch für Ruhe für Ordnung für nichts Alles gestaut. Alles zu viel. RAUS LASST ES RAUS RAUS JETZT OHNE FILTER Ich bin nicht falsch ich bin zu voll zu schnell zu wach zu lange still Ich explodiere oder ich ersticke. RAUS RAUS RAUS KEIN KOMPROMISS KEIN HALT RAUS RAUS RAUS ICH LEBE NOCH
13

Jetzt ist gut

Ich hab laut gedacht und leise geweint, hab mich verloren und neu gemeint. Hab alles gesagt, was raus wollte heut, jetzt ist es still und fühlt sich gut an heut. Jetzt ist gut, ich muss nichts mehr. Bin müde,
aber nicht mehr schwer. Mein Kopf ist leer,
mein Herz ist voll, so wie es ist,
ist es genau richtig so. Die Welt ist noch da, sie zieht nicht mehr, kein Druck im Bauch, kein inneres Mehr. Ich sitz einfach hier, atme ein, atme aus, nichts ruft nach mir, ich bin grad zuhaus. Jetzt ist gut,
kein Müssen, kein Soll. Alles gesagt,
alles voll. Ich fall nicht weg, ich komm zur Ruh, und bleib ein bisschen einfach nur ich und du. Vielleicht kommt morgen
 wieder Sturm, vielleicht auch nicht. Heute reicht
 dieses kleine Licht. Jetzt ist gut,
ich darf so sein. Nicht laut,
nicht stark –
 einfach mein. Wenn nichts mehr zieht
 und nichts mehr muss, dann fühl ich mich
 zum ersten Mal bewusst. Jetzt ist gut.
14

Du darfst jetzt schlafen

Der Tag ist leise,
der Himmel auch, die Welt macht Pause,
genau wie du auch. Die Augen werden
schon ein bisschen schwer, und alles Gute
ist längst bei dir hier. Du darfst jetzt schlafen,
ganz ohne Grund, nichts wird verpasst
in dieser Stund. Ich bin hier,
und bleib bei dir, du bist sicher,
jetzt und hier. Die Gedanken dürfen
einfach gehn, sie müssen heute
nichts mehr verstehn. Was nicht fertig ist,
wartet ganz still, bis morgen früh,
wenn es wieder will. Du darfst jetzt schlafen,
lass alles los, die Nacht ist weich
und macht dich groß. Ich bin hier,
du bist nicht allein, du darfst jetzt
ganz geborgen sein. Atme ein…
atme aus… alles findet
 nach Hause raus. Du darfst jetzt schlafen,
es ist genug, du warst heute
mehr als gut. Die Welt passt auf dich auf die Nacht, bis du morgen
wieder aufwachst. Schlaf gut.
 Ich bin da.
15

Deine Freude war gut

Du warst laut, als du gelacht hast, du warst hell, als du dich gefreut hast. Sie sagten: zu viel, sie sagten: bleib stehn, doch dein Herz wollte einfach nur gehn. Deine Freude war gut. Sie war richtig. Sie war wahr. Du musstest dich nie kleiner machen, so wie du warst, warst du klar. Du hast gestaunt mit offenen Augen, hast alles gespürt, ohne zu glauben, dass man Gefühle leiser dreht. Du hast geliebt, wie man liebt, wenn man lebt. Deine Freude war gut. Sie war kein Fehler. Kein Zuviel. Sie war dein Licht, dein inneres Ja, dein echtes Gefühl. Wenn sie dich gebremst haben, war es aus Angst. Nicht vor dir – vor dem Glanz. Denn wer so fühlt, zeigt der Welt, wie frei man sein kann, wenn man fällt und wieder hält. Deine Freude war gut. Du darfst ihr jetzt traun. Du darfst wieder lachen, wieder staunen, wieder ganz du sein. Sag Ja - Dein Herz weiß es schon.
16

Vergessen

Der Zettel liegt noch unter der Kaffeemaschine, deine Schrift ist schief, mein Name nicht ganz richtig. Ich seh ihn heute viel zu spät und weiß sofort, warum du leiser gehst. Du sagst nichts, atmest schwerer ein. Ich merk: Hier sollte ich gewesen sein. Ich such in mir wie in Jackentaschen von gestern, da ist Wärme, da ist Nähe, aber nichts, was erklärt, warum du mir nicht mehr entgegengehst. Du sagst: „Du hast es wieder vergessen.“ Nicht hart, nicht laut, nur müde gesagt, als wär’s ein Satz, der schon zu lange zwischen uns fällt. Ich sag: „Scheiße…“ und mein nicht den Tag, nicht die Uhr, nicht den Plan. Ich mein das Ganze, so gut ich’s kann. Du hast dir den Tag gemerkt, die Stunde, den Weg bis hier. Ich hab mir nur gemerkt, wie nah du warst, ganz bei mir. Du hast gewartet, ich war beschäftigt. Nicht mit wem – mit irgendwas. Und jetzt steht das zwischen uns, schwerer als es sollte. Ich sitz dir gegenüber, alles in mir ist da, nur zu spät. Wie ein Zug, der einfährt, wenn keiner mehr steht. Dein Blick ist nicht laut, schreit nicht nach Recht. Er ist nur müde, und das trifft mich tief und echt. Du sagst: „Wenn du es wollen würdest…“ und lässt den Satz offen stehn. Ich hör ihn trotzdem zu Ende, weil ich’s wollte – und es jetzt erst seh. Ich will dir sagen, ich hab dich nicht verloren. Aber ich hab dich wieder warten lassen bis morgen. Ich seh, wie du dich zurücknimmst, nicht aus Trotz, eher aus Schutz, damit du dich nicht verlierst, wenn ich mich wieder vergessen muss. Ich entschuldige mich zu oft, zu gleich, zu spät. Und jedes Mal klingt es weniger nach mir. Du gehst nicht. Doch du bleibst auch nicht ganz hier. Und genau das zerbricht etwas in mir. Später lieg ich wach, die Nacht zieht vorbei. Plötzlich ist alles klar. Ich erinner mich an alles, zu scharf, zu genau, als wär das Licht angegangen – nur nicht zur richtigen Zeit, sondern jetzt. Und ich weiß: Morgen lieb ich dich ohne Lücke, ohne List. Vielleicht vergesse ich nur wieder den Moment, der dafür wichtig ist.
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Ungefiltert Mensch

Ich steh auf - viel im Kopf, Gedanken renne , keiner hält sie auf. Alles gleichzeitig, laut und weit, Ich spür genau: Jetzt ist Zeit. Ich fall hin, leise, nicht elegant, lern den Boden mit dem Herzen kennen. Und jeder Kratzer sagt: Du lebst noch hier, bist mehr als das, was man von dir verlangt. Ich hab versucht, mich passend zu machen, hab mich sortiert, hab mich gebremst. Und jedes Mal, wenn ich stiller wurde, hab ich mich selbst ein Stück verlernt. Ich will ungefiltert sein, sagen, was brennt, Und fühlen, was schreit. Ich will fallen und wieder stehen, nicht perfekt – echt dabei. Ich will Nähe, ich will Herz, will die Freude mit dem Schmerz. Ich will leben, ich will bleiben, ungefiltert Mensch in mir schreiben. Mein Tempo passt nicht in eure Zeit, mein Weg ist krumm, doch er ist weit. Ich seh Details, die keiner sieht, hör Zwischentöne im Lärm des Betriebs. Manchmal verlier ich mich im Zuviel, doch genau da liegt mein Gefühl. Ich bin kein Fehler im System, ich bin Bewegung, wenn nichts mehr geht. Ich trag mein Chaos nicht als Last, es ist der Funke, der mich fasst. Ich lern gerade, ihm zu trauen, statt mich dafür klein zu bauen. Ich will ungefiltert sein, nicht im Design, nicht angepasst. Ich will frei sein in meinem Sein, auch wenn es überläuft und kracht. Ich will Verbindung - will Frieden, will Nähe, die mich nicht verbiegt. Ich will Erfüllung, nicht nur Ziele, ich will bleiben, wie ich bin. Wenn alles zu viel wird, halt ich kurz an, leg die Hand auf mein Herz und hör wieder hin. Da ist kein Defekt, nur Leben drin, ein Puls, der sagt: Du darfst hier sein. Ich will ungefiltert sein, ungeplant, ehrlich, offen, frei. Ich will lieben ohne Netz, will mich zeigen – nicht versteckt. Ich will lachen, ich will weinen, will im Sturm bei mir bleiben. Ich will leben, ich will bleiben, Ungefiltert Mensch. Ungefiltert sein. Kein Rückzug mehr, kein halbes Licht. Ich bleib. Und das reicht.
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Unsere Art

Ihr sagt wir wären die, die stehen bleiben, wenn ein Lächeln nicht bis zu den Augen geht. Die merken, dass ein „Ja“ nur klingt, doch niemand wirklich mitgeht. Wir sehen Hände, die alles halten, doch nie loslassen, nicht ein Stück. Und fragen nicht nach dem Plan für morgen, sondern ob hier jemand wirklich ist. Und wir wären die, die leiser werden, wenn ein Raum plötzlich enger klingt. Die spüren, wie ein Satz noch offen ist, auch wenn man ihn zu Ende bringt. Wir merken, wenn ihr weitergeht, bevor etwas zu Ende war. Und tragen das, was ihr vergesst, noch eine Weile – ganz und klar. Ihr erkennt uns nicht als Art, sondern als Abweichung von euch selbst. Ihr lest die Noten, zählt den Takt, doch hört nicht, wo Klang zerfällt. Wir sind der Raum, der früher hört – und brechen dort, wo euer Zählen zerstört. Und wir wären die, die Fragen stellen, wo Antworten zu bequem sind. Die nicht zufrieden weitergehen, wenn etwas innen anders klingt. Wir folgen Spuren ohne Namen, bleiben, wo ihr längst vorbei gegangen seit. Und sehen Wege, die noch fehlen, weil ihr nur lauft, wo schon alles weiß und bleibt. Doch wir sind die, die Karten reißen, wenn der Rand zu früh erreicht scheint. Die nicht gehorchen, sondern suchen, bis sich etwas Neues zeigt. Nicht um schneller anzukommen, nicht um Recht zu haben im Licht – sondern weil die Welt größer wird, wenn man ihr tiefer widerspricht. Ihr erkennt uns nicht als Art, sondern als Abweichung von euch selbst. Ihr lest die Noten, zählt den Takt, doch hört nicht, wo Klang zerfällt. Wir sind der Raum, der früher hört – und brechen dort, wo euer Tritt zerstört. Vielleicht braucht ihr uns nicht morgen, vielleicht nicht hier, vielleicht nicht jetzt. Doch jedes Mal, wenn etwas fehlt, war es unsere Spur, die ihr verletzt. Und wenn ihr euch irgendwann fragt, warum die Welt so klein euch scheint – wir waren da. Wir gingen tiefer. Und ließen euch das Offene… als ein Weit.
19

Ich bin wie der Fluss

Ich dräng mich nicht nach vorne, ich bleib auch nicht zurück. Ich kenn die Kraft der Stille und das… langsame Glück. Ich weiß, wo Steine liegen, und wann man besser geht. Nicht alles, was sich richtig anfühlt, ist schon bereit... Und steht. Ich bin wie der Fluss, ich halte nicht fest. Ich fließe auch dort, wo du mich lässt. Ich kämpfe nicht gegen, ich zieh nicht vorbei. Ich bin nicht das Ziel – bin der Weg dabei. Ich trag, was kommen will, und lass, was gehen muss. Manches klärt sich erst am Ende In diesem großen Fluss. Ich heil nicht durch Erklären, nicht durch Druck und Gewicht. Ich bleib in meiner Tiefe, auch wenn du mich nicht siehst. Ich bin wie der Fluss, nicht laut, nicht blind. Ich weiß, dass Geduld auch Bewegung ist. Ich rette nicht alles, ich bleib bei mir. Wer trinken will, findet Wasser hier. Und wenn du glaubst, du musst mehr sein, dann geh ein Stück und hör mir zu. Ich hab nichts versprochen, nichts bewiesen, ich war nur immer ich – und du. Ich bin wie der Fluss. Ich warte nicht. Ich geh weiter, auch wenn etwas bricht. Ich nehme nichts mit Gewalt, ich bleib, wer ich bin. Ich bin wie der Fluss. Und darin liegt… Sinn.