01
Spiegel
Ich jage Ideen, zu viele für zwei Leben,
zieh Fäden nach überall, kann keinen vergeben.
Will Tiefe und Klarheit, doch treib mich im Kreis,
bin Schöpfer und Zweifler im gleichen Geleis.
Spiegel, zeig mir, wer ich bin,
zwischen Feuer und Disziplin.
Spiegel, halt mich nicht zurück,
ich wachse, stolper' –– such mein Glück.
Ich bau' meine Welten aus Klang und Maschinen,
lass Herzen erklingen, lass Felder ergrünen.
Doch oft bin ich rastlos, verlier' mich im Mehr,
will alles zugleich –– und doch will ich mehr.
Spiegel, zeig mir, wer ich bin,
zwischen Feuer und Disziplin.
Spiegel, halt mich nicht zurück,
ich wachse, stolper' –– such mein Glück.
Und doch trägt in mir eine Stille das Ganze,
kein Anfang, kein Ende –– ein ewiger Tanz.
Dort bin ich eins, dort ruht meine Kraft,
der Sturm ist vorbei, wenn die Seele es schafft.
Spiegel, du brichst mich entzwei,
doch im Bruch liegt, was ich sei.
Spiegel, halt mich nicht zurück,
ich fall –– und finde Stück für Stück.
02
Freier Fall
Puls pumpt Neon durch die Venen, hell und klar,
jeder Atemzug ein Bass, ich flieg wie Radar.
Ich lach zu laut, Funken stieben quer,
Glück rinnt wie Gold, ich fang es –– schwer.
Halte es fest, als wär's für immer mein Land,
für einen Beat lang bin ich König –– Neon in der Hand.
Ein einziger Blick zerbricht mein Glas –– stumm er Schlag,
ein Nebensatz friert Feuer, raubt mir den Tag.
Gefühl lenkt blind am schlingernden Lenkrad,
bis Kritik wie Lava landet –– ungebremster Spagat.
Die Welt flackert schrill wie ein Stroboskop,
und das eben noch greifbare Blau flieht irgendwo.
Freier Fall: vom Komet zum Krater,
ein Wort reicht, macht Glück zu Desaster.
Ich freeze im Leib oder spucke Glut,
bin plötzlich offline, schweigend wie Flut.
Doch tief darunter schlägt weiter ein leiser Akkord.
Manchmal steh ich starr wie ein Reh im Schein,
Gedanken im Eis, kein Laut, kein Reim.
Manchmal rotiert Zorn wie Rotor im Blut,
reißt Türen heraus, verschluckt jede Glut.
Frost oder Feuer –– wenn der Rauch sich legt,
steh ich im Aschehaus, das mein Echo bewegt.
Dann hülle ich mich in Nebel, weich und dicht,
falte den Höhenflug klein, bis er kaum noch bricht.
Ein fernes Sternenmeer rauscht unter schwerer Haut,
weit und nah zugleich, bittersüß vertraut.
Ich lieg dort stumm, halb Traum, halb Stein,
traurig-sicher, bis Funken wieder leise sein.
Freier Fall: vom Komet zum Krater,
doch im Staub flackert leise ein Morgen später.
Ein sanfter Ton zerreißt die Nacht,
ruft das Neon, das unter Asche wacht.
Und ich steh wieder auf, im eigenen Licht.
03
Schiffe Aus Papier
Ich sitz' am Fenster, die Stadt riecht nach Regen,
zieh' Linien mit Fingern auf beschlagene Scheiben.
Drüben im Laden spielt jemand Klavier,
jeder Ton legt ein Schiff aus Papier vor mir hin.
Schiffe aus Papier –– treiben mich fort,
tragen mich leise zu 'nem sicheren Ort.
Die Straße spiegelt die Neonreklame,
ich lauf' ohne Ziel, folg' nur meinem Atem.
In einer Gasse hängt Wäsche wie Fahnen,
und ich stell' mir vor, sie winkt mir zu –– ganz ohne Plan.
Schiffe aus Papier –– treiben mich fort,
Vielleicht bist du der Hafen, der meinen Namen kennt.
Manchmal bin ich zu still, wenn alles schreit,
doch in mir ist ein Meer, das dich sicher trägt, weit.
Schiffe aus Papier –– treiben mich fort,
Vielleicht bist du der Hafen, der meinen Namen kennt.
04
Erschöpfung
Ich sitz' da,
wo Schritte enden.
Kein Warum,
nur stilles Brennen.
Der Tag hängt schwer
an meinem Atem,
und alles in mir
will einfach liegen.
Ich kann grad nicht.
Nicht stärker, nicht weiter.
Ich muss jetzt hier,
wo nichts mehr trägt
als mein eigener Herzschlag ––
langsam,
ehrlich,
müde – unbewegt.
Da liegen die Reste
von allem,
was ich wollte.
Zerbrochene Kanten,
still im Staub.
Ich rühr sie nicht an.
Ich lass sie liegen.
Ich lass sie
einfach sein.
Ich kann grad nicht.
Nicht kämpfen, nicht halten.
Ich sink' nur
in den Boden der Wahrheit,
bis der Lärm und der Schmerz
aus meinen Händen fällt.
Noch kein Licht,
Noch kein später.
Nur dieser Moment,
der mich atmen lässt,
weil ich sonst
zu schwer geworden wär.
Ich bleib hier.
Langsam.
Ehrlich...
Müde.
Bis wieder
etwas in mir wacht.
05
Der Weiche Mantel
Ich sag „Ja“ zu früh,
weil Stille nicht vergeht.
Ich deck den Abgrund zu,
damit er nicht entsteht.
Ein Lächeln wie ein Heftpflaster,
auf Schmerz, der nicht verheilt.
Ich nenn das meine Liebe ––
und weiß, dass sie mich teilt.
Ich trag den weichen Mantel,
so warm und so fatal.
Er schützt mich vor dem Winter,
und macht mich asphaltal.
Er flüstert: „Bleib doch leise,
dann tut es nicht so weh.“
Ich glaub ihm noch 'ne Weile ––
bis ich nicht mehr steh.
Ich lüg nicht um zu täuschen,
ich lüg um nicht zu fall'n.
Der Körper ruft nach Frieden,
der Geist nach Überall'n.
Ich trag das Schweigen weiter,
bis es mich fast zerreißt.
Und nenn mich dann ehrlich,
weil keiner mehr was weiß.
Ich trag den weichen Mantel,
so warm und so fatal.
Er schützt mich vor dem Winter,
und macht mich asphaltal.
Er flüstert: „Bleib doch leise,
dann tut es nicht so weh.“
Ich glaub ihm noch 'ne Weile ––
bis ich nicht mehr steh.
Vielleicht gäb's 'nen anderen Schutz,
kein Stoff, kein Schweigen, keinen Fluch.
Nur einen Atem, der stehen bleibt,
wenn alles rauscht und bricht.
Vielleicht ist Wahrheit nicht die Kante,
sondern das, was Licht macht im Bruch.
Und vielleicht bin ich erst nackt ––
wenn ich nicht mehr flieh und such.
06
Sinn, Um Zu Sein
Der Tag steht voll vor mir
und ich geh hindurch
Alles ist richtig
und nichts berührt
Man nennt mir Gründe
man zeigt mir Zeit
Doch ich trag mich heute
nur aus Pflicht durch das Jetzt
Ich brauch Sinn, um zu sein
nicht als Ziel, nicht als Plan
Ich brauch Sinn, um zu bleiben
wenn der Tag mich nicht trägt
Ich brauch Sinn, um zu sein
sonst geh ich nur mit
Ich funktionier noch
aber ich leb nicht mit
Es ist nichts falsch
und doch so schwer
Ich bin nicht dagegen
ich bin nur leer
Ich halt das aus
ich sag nicht viel
Doch innen fehlt mir
das eine: Ziel
Nicht das Ziel von morgen
nicht dein Warum
Nur etwas, das sagt:
Du bist hier nicht umsonst
Ich brauch Sinn, um zu sein
nicht gegen euch
Ich brauch Sinn, um zu atmen
nicht um zu flieh'n
Ich brauch Sinn, um zu sein
sonst wird Nähe zu Last
Ich bin da ––
aber ich halt mich fast
Manche finden Sinn
im Wir, im Tun
Ich such ihn dort
wo ich still sein muss
Und wenn ich das sag
klingt es wie Nein
Doch es ist nur
mein letztes Ja
07
Atemzug
Tausend Lampen blitzen in mir ...
Stimmen regnen wie Gewitter herab ...
Alles flackert ... und ruft ...
mein Kopf ist ein offenes Meer ...
Mein Wächter dreht sein Licht im Turm ...
Schreit Alarm in jede Nacht ...
Sieht zu viel ... er hört zu weit ...
kein Schiff entkommt ... kein Riss im Glas ...
Ich schließe die Augen ...
halte einen Punkt ...
Mikro jetzt ... ein kleiner Schritt ...
nur soweit der Atem trägt ...
Ein Tag ist mein weicher Plan ...
ein Moment ist mein Jetzt ...
Und ein Atemzug bringt mich ...
Stück für Stück... zurück ...
Die Stimmen fallen leise ...
wie Regen ... der in Boden sinkt ...
Die Lampen löschen nicht ihr Licht ...
doch sie rufen mich nicht mehr ...
Ein Tag ist mein Herzensplan ...
ein Moment ist mein Jetzt ...
Und ein Atemzug bringt mich ...
Stück für Stück... zurück ...
Der Leuchtturm dreht ... die Lampe brennt ...
doch schweigt ... wenn niemand ruft ...
Ich bleib wach ... doch ruhig genug ...
um still im Meer zu sein ...
Ein Tag ist mein Plan ...
ein Moment ist mein Jetzt ...
Und ein Atemzug bringt mich ...
Stück für Stück ans Ziel ... zurück ...
08
Herzlicht
Wenn das Herz nicht hört,
und doch nur hören will,
trägt es seine Last
und schweigt ganz still.
Bis Stille wie Tod
gegen die größere Not.
Merkt es kaum,
Es, es verliert das Licht im Raum.
Ich geb dir etwas zum Erinnern,
Schmerz ist kein guter Freund am End'.
Wenn du wen brauchst, der dich trägt durch die Nacht,
bin ich da ––– ich halt' dich fest.
Wo Freude spielt, nicht „funktioniert“,
tanzt die Seele sacht.
Das Herz pocht und bebt,
und Ohnmacht hält die Nacht.
Du willst hinaus, beginnst zu geh'n,
kannst es kaum noch tragen.
Du bist der Mensch,
der jeden Augenblick geteilt hat,
als er vorüberzog.
Ich geb dir etwas zum Erinnern,
Schmerz ist kein guter Freund am End'.
Wenn du wen brauchst, der dich trägt durch die Nacht,
bin ich da ––– ich halt' dich fest.
Mmmmh ... wenn meine Hand zum ersten Mal
wieder über deine Hüften streicht
und deine Nähe meine Sinne füllt,
schmecke ich Glück wie Butter auf frischem Brot.
Meine Worte sind wie Vögel mit Wurzeln,
fliegen durch die Nacht zu dir.
Herz an Herz, ohne Zwischenraum,
wir sehen uns, schließen die Augen.
Herz in Herz, ohne Reue ––– Urvertrauen.
Ich will tanzen wie ein Farbenspiel aus Licht,
getränkt von Sonne im Fenster meines Lebens.
And I just wanna breathe the memories of myself.
Ich geb dir etwas zum Erinnern,
Schmerz ist kein guter Freund am End'.
Wenn du wen brauchst, der dich trägt durch die Nacht,
bin ich da ––– ich halt' dich fest.
09
Zwischen Atem Und Glanz
Ich geh nicht los, ich folge Klang,
der irgendwo im Raum begann.
Ein Ton, der denkt, ein Licht, das spricht,
und alles zieht mich mitten ins „Ich“.
Kein Takt, kein Ziel, kein fester Rand,
die Welt verläuft durch meine Hand.
Was andre Ordnung nennen, bricht –––
ich atme, und sie ordnet sich.
Zwischen Atem und Glanz,
wo die Zeit sich verfließt,
wo das Denken sich tanzt
und die Stille genießt,
da bin ich ganz.
Zwischen Atem und Glanz.
Man sagt, ich wär zu spät, zu weit,
doch ich war pünktlich ––– nur anderszeit.
Ich seh die Stunde, wenn sie klingt,
und geh, wohin die Richtung singt.
Was bleibt, ist Licht auf meiner Haut,
ein Flüstern, das Vertrauen baut.
Ich spür die Welt, bevor sie spricht,
und manchmal hört sie mich.
Zwischen Atem und Glanz,
wo das Viele eins ist,
wo die Grenze sich löst
und das Jetzt mich vermisst,
da bin ich ganz.
Zwischen Atem und Glanz.
Ich halte nichts, ich lass es kreisen,
wie Blätter, die durch Sonne reisen.
Das, was bleibt,
war nie Besitz –––
es war nur Atem,
der sich lichts.
Zwischen Atem und Glanz,
wo das Schweigen sich füllt,
wo Bedeutung sich tanzt,
und die Nacht mich enthüllt,
da bin ich ganz.
Zwischen Atem und Glanz.
10
Zu Viel Mit Django Reinhardt
Mein Kopf ist eine Stadt zur Rushhour, ohne Ampeln, ohne Plan,
alle Wege wollen gleichzeitig, keiner kommt allein voran.
Ein Blick, ein Zucken deiner Stirn ––– schon stürzt ein Kartenhaus,
ich höre Schatten zwischen Wörtern, male Ablehnung daraus.
Ich halte Atem an in Räumen, die zu laut sind und zu dicht,
ich will zuhören, doch das Innen brüllt mir ins Gesicht.
Du sagst nur: "Passt schon, halb so wild", ich höre: "Geh lieber fort."
Ich weiß, es steht so nirgends drauf ––– doch so spricht's in mir sofort.
Ich platze mitten in Gedanken, rette Fäden, die entfliehn,
verliere Namen, halte Nähe, doch vergesse oft den Sinn.
Ich sage zu viel, zu schnell, zu ehrlich, ich will nur, dass du's weißt,
wie sehr mir deine kleinen Zeichen ganze Wetter machen: Geist.
Ein Augenrollen trifft wie Donner, ich such Schuld in jedem Ton,
ich sammel Scherben, bis die Taschen reißen, und ich bleib' schon.
Ich übe leise, dich zu fragen: "War das wirklich so gemeint?"
Doch davor hab' ich tausend Filme, wo die Bühne gegen mich scheint.
Sieh mich hinter meinem Rauschen, bleib, auch wenn es viel erscheint.
Frag, bevor du still mich deutest, was mein Herz gerade meint.
Sag nicht: "Sei doch einfach anders", teil mit mir den Zwischenraum,
dann verwandelt sich mein Zweifel in ein kleines Stück von Traum.
Ich trage Masken aus Kalendern, kleb' mir Regeln ins Gesicht,
damit kein Funke überläuft und wieder etwas zwischen uns zerbricht.
Ich lächle tapfer über Pausen, die ich eigentlich bräucht',
bis mir der Boden unter Sätzen wie ein dünnes Eis wegäugt.
Ich will so gern verlässlich scheinen, bin's in Liebe, nicht in Zeit,
die Uhr ist mir ein scheues Tier, das selten neben mir verweilt.
Wenn ich zu spät komm', komm' ich trotzdem ––– mit der Seele unterm Arm,
und hoffe, dass du siehst, dass ich dich meine. Dass es reicht und warm.
Stell dir vor, wir bauen Brücken aus drei einfachen "Ich hör'",
aus "Meinst du das so?" und "Danke, dass du bleibst, auch wenn es stört."
Stell dir vor, ein offnes Zimmer, wo mein Sturm nicht stören muss,
wo dein Blick nicht Kanten zählt, sondern meinen ersten Mut zum Kuss.
Stell dir vor, ich nenn' die Wunden, ohne dass ich kleiner bin,
wir zählen nicht, was fehlt, nur das, was wächst, wenn wir beginnen.
Und ich steh' mitten in mir drin und plötzlich ist es klar:
Ich bin nicht falsch, nur anders laut ––– und du sagst: "Ich bin da."
Sieh mich hinter meinem Rauschen, bleib, auch wenn es viel erscheint.
Frag, bevor du still mich deutest, was mein Herz gerade meint.
Sag nicht: "Sei doch einfach anders", teil mit mir den Zwischenraum –––
und hör mein leises, großes Ja: So fühlt sich Verstehen an.