Zurück zur Übersicht
ADHS II – Album Cover

ADHS II

247.blue

2026 · Kristian Luge · 12 Liedtexte

01

Ich Muss Nichts Mehr Halten

Ich hab so lang getragen, was nie ganz meins war. Hab Mauern aus Gedanken um mein Herz gebaut, Jahr um Jahr. Doch heute wird es leiser, die Welt atmet mit mir – und ich spür, ich darf nur stehen, nicht mehr kämpfen, bin ganz hier. Ich muss nichts mehr halten, nicht die Stille, nicht das Licht. Alles darf sich selber tragen, ich vertrau, dass nichts zerbricht. Ich kann alles fließen lassen, ohne Richtung, ohne Zwang. Und doch steh ich, fest und ruhig, wie ein Baum im Morgendrang. Die Winde dürfen kommen, die Schatten dürfen ziehn, ich brauch sie nicht zu ordnen, muss sie nicht verstehn. Denn unter all dem Rauschen liegt und singt ein leiser Ton in mir, der sagt: du bist nicht verloren, du bist einfach hier. Ich muss nichts mehr halten, nicht die Stille, nicht das Licht. Alles darf sich selber tragen, ich vertrau, dass nichts zerbricht. Ich kann alles fließen lassen, ohne Richtung, ohne Zwang. Und doch steh ich, fest und ruhig, wie ein Baum im Morgendrang. Wenn die Welt zu laut wird, halt ich kurz den Atem an. Nicht aus Angst, nur um zu hören, dass sie weiterklingen kann. Ich muss nichts mehr halten, nicht die Liebe, nicht den Schmerz. Ich geb sie frei, sie bleibt doch nah – im Raum in meinem Herz. Ich kann alles fließen lassen, und der Strom trägt mich dahin. Ich steh still – und alles lebt, weil ich einfach bin.
02

In Dieser Stille

Da ist ein Ort, der nichts verlangt, wo jedes Wort zu leicht wird. Wo keine Richtung ziehen kann, und jeder Atem weit wird. Da steh’ ich ohne Form im Licht, und alles fällt von selbst zurück – nichts, was ich noch halten will, stört diesen stillen Augenblick. In dieser Stille wird nichts mehr eng. Ich bin mich selbst und alles, was ich kenne. Die Welt verliert den Widerstand, das Leben fließt wie Wind. In dieser Stille bin ich ganz – und doch in allem, was beginnt. Die Unruh’ legt den harten Schlag, als wär sie nur ein Flimmern. Sie drängt nicht mehr, sie brennt nicht mehr, sie darf ganz leise schimmern. Kein Stoßen mehr an meinen Rand – ich hab ihn losgelassen. Und alles, was mich früher bog, kann warm durch meinen Raum jetzt passen. In dieser Stille wird nichts mehr eng. Ich bin mich selbst und alles, was ich kenne. Die Welt verliert den Widerstand, das Leben fließt wie Wind. In dieser Stille bin ich ganz – und doch in allem, was beginnt. Nichts muss erklärt, nichts wird erzwungen. Kein Wer bin ich, kein Was soll ich. Nur dieses Fallen in den Grund, der sich von selbst erhebt und mich hält, ohne dass ich’s will.
03

Innere Gravitation

Ich war Wasser ohne Becken, nur ein Flimmern unter Licht. Hielt die Welt in meinen Händen, doch sie hielt mich selber nicht. Jeder Klang kam viel zu nahe, jede Nähe viel zu weit. Und ich lernte, still zu werden, doch verlor dabei mein Sein. Ich baute Mauern aus Gedanken, doch sie hielten mich nicht fest. Und ich suchte nach dem Takt der anderen, um mich selbst nicht zu verpassen. Man dachte, ich werd’ stärker, wenn ich passe wie der Rest. Doch Wahrheit ist viel leiser: Ich werd’ stabil, wenn keiner mich ersetzt. Ich fließ’ in meinen Rhythmus, nicht im Herzschlag der Nation. Ich bin kein Stein im Flussbett — ich bin die Strömung, die mich formt. Ich war offen wie der Morgen, wie ein Atem ohne Haut. Trug die Stimmen meiner Lieben, selbst wenn keiner zu mir schaut. Und ich lernte, mich zu ordnen, denn die Welt war viel zu laut. Ich vergaß, dass Wasser Stärke hat, wenn man ihm nur Raum vertraut. Ich war immer schon in Schwingung, wie ein Kreis, der nie zerbricht. Ich brauch’ kein Fremdes, das mich hält — ich brauch nur mich im Gleichgewicht. Man dachte, ich werd’ stärker, wenn ich passe wie der Rest. Doch Wahrheit ist viel leiser: Ich werd’ stabil, wenn keiner mich ersetzt. Ich fließ’ in meinen Rhythmus, nicht im Herzschlag der Nation. Ich bin kein Stein im Flussbett — ich bin die Strömung, die mich formt.
04

Im Raum

Ich stolper durch eure Gesichter, die mich nur anders sehen. Fühl mich falsch in meiner Mitte, wo andre sicher stehen. Ich such nach einem Zeichen, ob ich hier darf und wie ich bin, und merk, dass meine Fragen gegen mein eigentliches Sein sind. Ich halte, was mich trägt. Ich lasse, was sich bewegen will. Ich spüre, was in mir lebt. Und weite mein inneren Platz ganz innen still. Ich bin im Raum – und bleibe Raum. Und alles, was sich bewegt, bewegt sich in mir – und steht. Zu viele Stimmen reden, zu viele Lichter schrein. Ich will nur kurz verschwinden, und wieder Atem sein. Die Welt zieht an mir zerrend, mein Herz hat keine Haut – und merk, dass ich im Außen mich selbst zu laut gebaut. Ich halte, was mich trägt. Ich lasse, was sich bewegen will. Ich spüre, was in mir lebt. Und weite mein inneren Platz ganz innen still. Ich bin im Raum – und bleibe Raum. Und alles, was sich bewegt, bewegt sich in mir – und steht. Dann ist da diese Stille, die scheint, als wär ich fort. Kein Echo, keine Richtung, nur Schatten ohne Wort. Ich such nach einem Fühlen, das mir beweist, ich sei – und merk, dass ich im Nichts mich selbst nur trage daran vorbei. Ich halte, was mich trägt. Ich lasse, was sich bewegen will. Ich spüre, was in mir lebt. Und weite mein inneren Platz ganz innen still. Ich bin im Raum – und bleibe Raum. Und alles, was sich bewegt, bewegt sich in mir – und steht.
05

Im Eigenen Takt

Ich wach auf in zu vielen Lichtern, tausend Wege schrein: „Jetzt geh!“ Ich fang an, mich zu verzetteln, weil mein Herz zu schnell versteht. Will die Stille fest umarmen, doch sie zerrinnt in meiner Hand – und ich such den einen Rhythmus, der mich hält, nicht mich verbannt. Und doch – das Unmögliche geht, wenn der Takt dich versteht. Kein Mensch, kein Plan kann dir sagen, wie du bleibst und doch gehst. Du musst fühlen, nicht folgen, musst hören, bevor du sprichst. Denn das Unmögliche geht, wenn du dich im Takt erblickst. Ich will’s richtig, will’s genau, mach die Ordnung zum Gebet. Doch je mehr ich sie bewahre, desto mehr zerfällt das Jetzt. Dann halt ich kurz den Atem, spür die Welt – und lass sie sein. Und die Stimmen werden leiser, doch nicht mehr klein. Und doch – das Unmögliche geht, wenn der Takt dich versteht. Kein Mensch, kein Plan kann dir sagen, wie du bleibst und doch gehst. Du musst fühlen, nicht folgen, musst hören, bevor du sprichst. Denn das Unmögliche geht, wenn du dich im Takt erblickst. Jetzt seh ich mich von außen laufen, seh, wie mein Herz sich selbst verfolgt. Doch ich bleib stehn und hör den Boden, wie er leise weiterrollt. Jede Welle, jedes Zucken, ist kein Fehler, sondern Klang – ich halt nichts mehr, ich halte an.
06

Wie Wasser

Ich renn in Funken, brenn in Sekunden, was mich trägt, verliert sich schnell. Und doch weiß ich, irgendwo in mir fließt ein Strom, der niemals versiegt. Wie Wasser bin ich, immer auf dem Weg, mal wild, mal still, doch nie verkehrt. Und wer mich hält, der spürt: ich geh, doch ich komm zurück, wie Wasser eben geht. Ich hab so oft gedacht: „Ich bleib nicht genug.“ Hab Schuld gesammelt, als wär ich zu schwach. Doch mein Herz schlägt in einem anderen Takt, ein Rhythmus, der sich nicht verbiegen lässt. Wie Wasser bin ich, immer auf dem Weg, mal wild, mal still, doch nie verkehrt. Und wer mich hält, der spürt: ich geh, doch ich komm zurück, wie Wasser eben geht. Und manchmal find ich dich, der nicht bremst, der nicht fragt: „Warum bist du so?“ Sondern meine Strömung einfach nimmt, mich fließen lässt und darin bleibt.
07

Ich Werde, Wer Ich Bin

Ich wurde nicht gebaut für Rollen, mein Antrieb ist ein innerer Klang. Ich folge nur, wenn Dinge atmen, sonst hält mich etwas unsichtbar krank. Wo alles echt ist, wachse ich leise, wo nur Fassade steht, geh ich ein. Ich trage Feuer in meiner Weise, doch brennt es nur, wenn Dinge sein. Ich habe oft versucht zu passen, zu funktionieren wie man es will. Doch jedes Schweigen ließ mich blasser, und machte meine Mitte still. Nur dort, wo Funken wirklich zünden, wird aus mir Kraft und Fokus klar. Ich handle nicht, um zu genügen – ich handle, wenn ich innerlich wahr. Ich folg dem Strom aus reiner Klarheit, ich diene dem, was nicht verfällt. Nur wenn mein Herz sein Wort bewahren darf, bring ich mich ein in diese Welt. Ich arbeite nicht – ich lebe, wenn Wahrheit durch mein Inneres rinnt. Ich bin nicht fertig, nicht bequem – doch auf dem Weg: wer ich wirklich bin. Für manche scheint das unzuverlässig, zu sprunghaft, nicht kontrollierbar klar. Doch wer mich lässt in echtem Wesen, erlebt, wie tragend ich dann war. Denn wo ich treu mir selbst begegnen darf, nehm ich auch Lasten ohne Zwang. Doch wer mich drückt, verliert mich langsam, im grauen Raum von Pflicht und Klang. Ich folg dem Strom aus reiner Klarheit, ich diene dem, was nicht verfällt. Nur wenn mein Herz sein Wort bewahren darf, bring ich mich ein in diese Welt. Ich wachse nicht durch Anpassung, sondern durch ein inneres Beginnen – drum bleib ich offen, ungeschliffen … denn so erst werde ich, wer ich bin.
08

Zwischen Mir Und Mir

Da ist ein Raum in mir, den ich früher nie betreten hab. Zu viel Geräusch im Kopf, zu viel Geschichte in meinem Schlaf. Doch jetzt wird alles still, und ich hör endlich, was bleibt – ein leiser Ton von mir, der sich durch Schatten treibt. Und ich steh zwischen mir und mir, zum ersten Mal nicht mehr verloren. Ich halte nichts und halt doch viel, so wie ein Herz, das neu geboren. Ich fall nicht mehr – ich öffne nur, und was ich seh, gehört zu mir. Ich werd nicht größer, werd nicht klein – ich werde einfach nur hier. Ich hab so oft geglaubt, ich müsste stark sein, um zu geh’n. Doch Stärke war ein Schild, und nicht der Grund, mich selbst zu seh’n. Jetzt trag ich mich nicht mehr, ich lass mich einfach sein – und plötzlich wird aus Last ein leiser, klarer Schein. Und ich steh zwischen mir und mir, zum ersten Mal nicht mehr verloren. Ich halte nichts und halt doch viel, so wie ein Herz, das neu geboren. Ich fall nicht mehr – ich öffne nur, und was ich seh, gehört zu mir. Ich werd nicht größer, werd nicht klein – ich werde einfach nur hier. Vielleicht war Tiefe nie Gefahr, vielleicht war sie nur ungehört. Vielleicht war all das Dunkel Licht, das meine Stimme nicht zerstört. Und jetzt, da ich mich wiederfind, weiß ich: Ich war nie getrennt. Ich war nur leise und gebannt vom Sturm, der in mir brennt.
09

Ich Brauch Keine Anderen Lehrer

Ich hab so vieles probiert, Regeln gelernt, Pläne gebaut, doch sie brachen zusammen. Immer hieß es: „Mach es so, wie wir’s dir sagen.“ Doch was sie meinten, war nicht mein Leben. Ich brauch keine anderen Lehrer, ich brauch meinen richtigen Klang. Nicht ihr Richtig, nicht ihr Falsch – nur den Ton, der in mir klingt weit und lang. Ihr System hielt mich nicht, mein eigenes gab es nicht. Da stand ich mit leeren Händen, im Fallen, im Schweigen. Nichts schien zu stimmen, kein Halt, kein Plan. Nur dieses Herz, das doch wollte. Ich brauch keine anderen Lehrer, ich brauch meinen richtigen Klang. Nicht ihr Richtig, nicht ihr Falsch – nur den Ton, der in mir klingt weit und lang. Ich fing an, klein zu gehen: ein Schritt, ein Atem, ein Wort auf Papier. Nicht das große Ziel, nur ein Anker, so winzig, dass er hält. Und wenn der Impuls mich rief, ging ich dorthin, bis er mich wieder zurückbrachte. Ich brauch keine anderen Lehrer, ich brauch meinen richtigen Klang. Nicht ihr Richtig, nicht ihr Falsch – nur den Ton, der in mir klingt weit und lang.
10

Frei Im Adhs

Ich war ein kleines Wasserglas, zu eng für meine Wellen. Jeder Funke prallte ab, ließ mich nur von Grenzen erzählen. Ich fühlte mich verbogen, falsch gefaltet, falsch gemacht – als hätt’ mein echtes Wesen keinen Platz in dieser Nacht. Doch da ist ein Raum in mir, größer als mein altes Außen. Dort darf jede Welle führen, ohne Stoßen, ohne Pausen. Kein Zuviel und kein Zuwenig – nur mein eig’ner, weiter Takt. Frei im ADHS – weil innen Weite wirkt, nicht Akt. Ich dachte lange: „Werd nur leiser, mach die Welt ein Stück mehr frei.“ Doch tiefer innen wurde klar: Der enge Käfig war nur ich. Die Welt war nie zu laut für mich – ich war nur dünn und eng gespannt. Und jede fremde Stimme brannte durch mein off’nes Land. Doch da ist ein Raum in mir, größer als mein altes Außen. Dort darf jede Welle führen, ohne Stoßen, ohne Pausen. Kein Zuviel und kein Zuwenig – nur mein eig’ner, weiter Takt. Frei im ADHS – weil innen Weite wirkt, nicht Akt. Du musst nicht stiller werden, nicht gebog’ner, nicht „normal“. Nur einen Schritt nach innen – ohne Plan und ohne Wahl. Dort wird die Unruh’ warm und weit, kein Drängen mehr, kein Zwang. Da wird dein Schlag zu Licht, nicht Lärm, und findet seinen Klang.
11

Pflicht Und Sehnsucht

Er steht im Licht der frühen Pflicht, die Welt soll halten, was sie spricht. Er zählt den Tag, nicht was er fühlt, weil Ordnung ihn vor Zweifel kühlt. Er denkt: Wer trägt, darf selten fliegen, wer frei sein will, wird leicht betrogen. So macht er weiter, still und klar, und merkt nicht, was verloren war. Ich wach durch Klang, nicht durch Kalender, mein Herz ist Kompass, kein Gelände. Wenn Sinn mich ruft, entsteht mein Plan, ich folg ihm, weil ich sonst vergehn kann. Nicht Ego bin ich, sondern Not, ich ordne Welt durch innern Code. Ich kann nicht anders – will nur sein, wo Sinn und Tun sich decken rein. Nur wer versteht, darf lassen, nur wer lässt, versteht. So wächst aus Pflicht und Sehnsucht das Leben, das besteht. Du trägst so lang, bis nichts mehr brennt, vergisst, dass Freude dich erkennt. Du nennst sie Schwäche, weil sie fehlt, und hoffst, dass Arbeit alles heilt. Doch ohne Glanz in deinem Tun verstaubt auch Pflicht ins graue Ruh‘n. Was du dem Leichten oft verwehrst, ist das, was dich selbst umkehrt. Ich bin nicht falsch, nur anders gebaut, mein Feuer löscht sich, wenn man’s staut. Ich brauch den Klang, um still zu steh’n, die Welt in mir will mitschwing’n, sehn. Gib mir nicht Regeln, gib mir Raum, dann bau ich Ordnung aus dem Traum. Denn Freiheit heißt nicht gegen dich, sie atmet – wenn du lässt – durch mich. Nur wer versteht, darf lassen, nur wer lässt… versteht. So wächst aus Pflicht… und Sehnsucht das Leben, das besteht.
12

So Bist Du

Du schaust nicht weg, wenn’s stille schmerzt, nennst Dinge leise beim Namen. Machst mich nicht kleiner, nicht zu groß, lässt mich einfach da – und atmen. Wenn ich zerstreu’ bin, stolper’ ins Wort, hebst du nicht an – du hebst mich an. So bist du: Wahrheit, Würde, Wärme, kein Glanz aus Glas – nur echtes Licht. Du hältst nicht fest, du hältst den Raum, ich fall’ hinein – und brech’ nicht. So bist du: Wahrheit, Würde, Wärme. So bist du. Und das liebe ich. Du hast die Stürme schon gesehen, trägst ihre Falten wie Land. Du lackierst nichts – du lässt’s atmen, legst deine ruhige Hand. Bin ich zu spät und Worte fehlen, zählst du nicht streng – du zählst den Mut. So bist du: Wahrheit, Würde, Wärme, kein Glanz aus Glas – nur echtes Licht. Du hältst nicht fest, du hältst den Raum, ich fall’ hinein – und brech’ nicht. So bist du: Wahrheit, Würde, Wärme. So bist du. Und das liebe ich. Kein Heiligenschein – nur offene Stirn, Narben im Licht, wir lernen gern. Gold in den Kanten, nicht übermalt, genug, wie wir sind – und es hält. So bist du: Wahrheit, Würde, Wärme, kein Glanz aus Glas – nur echtes Licht. Du hältst nicht fest, du hältst den Raum, ich fall’ hinein – und brech’ nicht. So bist du. Und das liebe ich.